Alles Fahrrad oder was? Besondere Anforderungen an ein Triathlon-Rad

Geschrieben am Donnerstag, 27 April 2017.

Alles Fahrrad oder was? Besondere Anforderungen an ein Triathlon-Rad

Alles Fahrrad oder was? Besondere Anforderungen an ein Triathlon-Rad

Ambitionierte Freizeitsportler verfolgen wie Wettkampfathleten prinzipiell das gleiche Ziel: Im Kampf gegen die Uhr auf dem Weg zu optimalem Ergebnis keine unnötige Sekunde zu verlieren.

Die für jeden Sportler optimale Sitzposition sollte schon Wochen vor dem Wettkampf eingestellt und eingeübt sein. Abbildung: pixabay©skeeze (CC0 1.0)

Das gilt neben den beliebtesten Sportarten der Österreicher wie Skifahren, Fußball oder Biathlon im gleichen Maße wie auch für Langstreckensportarten wie das so beliebte Triathlon, dem sich in der Alpenrepublik eine immer größer werdende Fangemeinde verschrieben hat.

So gingen in einer Umfrage unter 75 Unternehmen hierzulande nicht weniger als 44 Prozent davon aus, dass die Sponsoring-Investitionen im Triathlon-Bereich bis 2018 noch weiter zunehmen werden – nach Ski alpin, Skifliegen und Fußball der vierthöchste Wert. Dabei spiegelt das erwartete Sponsoring-Volumen die allgemeine Beliebtheit der Sportart in breiten Gesellschaftsschichten in idealer Weise wieder. Es zeigt, wie gerne sich - ob professionell oder semi-professionell – durch Fluten, über gepflasterte Radstrecken und nicht enden wollende Marathon-Laufparcours gequält wird.

Dabei ist neben Trainingsfleiß, Begabung und Durchhaltevermögen auch das technische Equipment der Schlüssel zum Erfolg. Beim Triathlon fällt vor allem dem Radfahren durch die Wahl des richtigen fahrbaren Untersatzes größte Bedeutung zu.

Größter Feind Luftwiderstand

Die meisten Triathleten suchen vor allem die sportliche Herausforderung sowohl im Kampf gegen sich selbst, gegen die eigenen Grenzen, als auch im direkten Wettkampf gegeneinander. 

Als klassische Ausdauer-Mehrkampfdisziplin ist beim Triathlon vor allem der Allrounder gefragt, der über entsprechende Disziplin-übergreifende Ausdauer-Fitness verfügt. Die längst Zeit des Wettkampfs gegen die Uhr verbringt der Sportler dabei im Sattel der mittleren der drei geforderten Disziplinen: Schwimmen, Radfahren und Laufen.

Daher wird das Radfahren von den meisten Triathleten als die dominante Sportart im Ausdauer-Dreikampf angesehen, in der am meisten Zeit verloren aber auch gutgemacht werden kann. Denn während sich Differenzen im Wasser-Widerstand je nach Schwimm-Ausrüstung vergleichsweise geringer auswirken, spielt der Luftwiderstand beim Radfahren eine weitaus größere Rolle – viel größer auch als der beim Laufen.

Daher haben diverse Rennradhersteller für diesen Einsatzzweck kompromisslose Spezialräder entwickelt, die im Kampf gegen die Uhr besonders dem Wind als eigentlichem Gegner trotzen. Gekauft werden können diese unter anderem bei Bikester.

Dem Wind zu trotzen und dabei möglichst wenig an Zeit zu verlieren ist somit zur größten Herausforderung im Zuge aerodynamischer Überlegungen der Hersteller geworden. Dann anders als beim Touren-Radfahren werden an den fahrbaren Triathlon-Untersatz höchste Anforderungen in punkto Aerodynamik gestellt.

So macht der Luftwiderstand 80 bis 90 Prozent des Gesamtwiderstandes beim Radfahren aus. Während der Athlet davon rund vier Fünftel durch eigenes Verhalten wie die korrekte Sitzhaltung etwa selbst beeinflussen kann, geht ein Fünftel allein auf das Konto des Rades selbst. Die Aerodynamik und richtige Sitzposition wirken sich also dementsprechend entscheidend über Erfolg oder Misserfolg aus.

Eine aerodynamisch ideale Sitzposition wird durch entsprechende Bauweise des Rades begünstigt, wobei ein großer Niveau-Unterschied zwischen Lenker und Sattel in Kombination mit dem flach nach vorn gestreckten Triathlon-Lenker eine ideale Haltung des Fahrers geradezu erzwingt.

Optimierte Baukonstruktion des Tri-Bikes

Durch den so erzielten sehr steilen Sitzwinkel geht kaum Tritt-Energie des Sportlers verloren, die Leistung wird nahezu 1:1 direkt in den Vortrieb umgesetzt. Aber auch bei der Gestaltung von Rahmen, Gabel und Laufrädern spielt das Thema Aerodynamik eine alles entscheidende Rolle.

Im Triathlon-Sport hat sich mittlerweile der sogenannte Diamantrahmen durchgesetzt, eine aus zwei aneinander gesetzten Dreiecken bestehende Geometrie, die vom seitlichen Profil hergesehen der Form eines Diamants ähnelt.

Im Gegensatz zum allgemeinen Rennrad ist das Oberrohr beim Triathlon-Rad dabei kürzer und das Sitzrohr steiler, wodurch sich eine insgesamt steilere Sitzposition ergibt. Außerdem verfügt das Spezialrad idealerweise über einen Aerolenker. Es besteht aus dem sogenannten Aero-Bar – dem Liegeaufsatz für die Arme – und einem Hornlenker. Dagegen weisen die Lenker bei herkömmlichen Rennrädern eine gebogene Form auf. Durch die liegende Haltung auf dem Triathlon-Rad wird der Luftwiderstand zusätzlich gesenkt.

Studien haben ergeben, dass durch die steilere Sitzposition und dem damit verbundenen offeneren Winkel im Bauchbereich einerseits einige Muskelgruppen im Oberschenkelbereich langsamer als gewöhnlich ermüden und Triathleten andererseits dadurch weiter ausgreifende Schritte machen können und nicht so gedrungen laufen.

Dem steht allerdings eine höhere Kopflastigkeit der Gesamtkonstruktion von Tri-Bikes entgegen, die höheres fahrtechnisches Können und gesteigerte Übung wie auch Konzentration erfordert. So ist das Lenkverhalten von den speziellen Leichtgewichten, die speziell für den Kampf gegen die Uhr optimiert sind, deutlich unruhiger.

Auch die Anzahl der Speichen wie auch spezielle Felgen- und Speichen-Profile beim Tri-Bike sind von entscheidender Bedeutung, wenn es um Geschwindigkeit geht. Für kürzere Triathlon-Distanzen bis zu 40 Kilometer Radstrecke werden dabei tendenziell kürzere Stummel auf einen gewöhnlichen Radlenker montiert, bei längeren Strecken finden dagegen eher extrem windschlüpfige Aero-Aufsätze und Hornlenker Verwendung.

Leichtgewichte aber sportliche Schwergewichte

Als Nonplusultra haben sich extreme Rahmen-Leichtgewichte aus Carbon oder Kohlefaserkunststoff erwiesen. Auch Titan gilt als relativ leicht, dafür aber umso stabiler und korrosionsbeständiger. Beide Materialien sind extrem teuer, im Gegensatz etwa zu Aluminium, das neben einem vergleichsweise günstigen Preis und Korrosionsbeständigkeit auch mit relativ leichtem Gewicht punkten kann.

Alurahmen haben dementsprechend mittlerweile Standards in einem erschwinglicheren Preissegment gesetzt und die alten Stahlrahmen früherer Zeiten endgültig abgelöst. Dennoch bleibt Carbon erste Wahl, da das Material am besten verarbeitbar ist und sich eine stromlinienförmige Silhouette am besten umsetzen lässt, ohne dass das fertige Gefüge dabei an Steifigkeit einbüßt.

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