Venedig

Geschrieben am Montag, 18 Juli 2016.

Herwig Ertl lädt zu den Genussfestspielen

UNESCO setzt Venedig ein Ultimatum

Die UNESCO sieht in den großen Kreuzfahrtschiffen eine große Gefahr für die Zukunft von Venedig und hat der Lagunenstadt (laut Spiegel-Online) nun ein unmissverständliches Ultimatum gestellt.

Die offizielle Erklärung, die das Weltkulturerbe-Komitee der UNESCO auf der alljährlichen Vollversammlung verfasst hat, ist mehr als deutlich: Wenn bis spätestens Februar 2017 keine Notmaßnahmen in Kraft gesetzt werden, könnte Venedig seinen Titel als „UNESCO-Weltkulturerbe“ verlieren.

In jedem Fall würde die „Serenissima“ auf der nächsten Vollversammlung von der UNESCO-Liste gestrichen, auf der Stätten in aller Welt wegen ihrer Einzigartigkeit und Authentizität aufgeführt werden. Derzeit sind das exakt 1.007. Stattdessen käme Venedig auf die Liste der „gefährdeten Weltkulturerbestätten“, was für das Image der Venezianer wohl ein schwerer Schlag wäre.

Was sich die UNESCO unter den „Notmaßnahmen“ vorstellt, macht die UNO-Organisation ebenfalls klar: Die großen Kreuzfahrtschiffe sollten aus den Gewässern vor San Marco verbannt, die Motorboote drastisch eingeschränkt und die aktuellen Ausbaggerungen in der Lagune gestoppt werden.

Um die Touristenmassen besser zu organisieren und zu limitieren, sollte gleichzeitig ein Besucher-Management eingeführt werden – und nicht zuletzt müsste die Lagunenstadt die wenigen Venezianer, die noch hier ausharren, vor dem Druck von Airbnb & Co sowie dem Wunsch der Reichen aus aller Welt nach einer Wohnung in Venedig schützen.

Laut der italienischen Bürger- und Umweltorganisation „Italia Nostra“ setzt jedes der 1.500 Kreuzfahrtschiffe, die pro Jahr in Venedig anlegen, so viel Abgase frei wie 14.000 Autos. Gleichzeitig lassen sie die Wellen noch um einiges höher gegen die Hausmauern schlagen und bringen noch mehr Menschenmassen in die engen Gassen.

Dabei würden die vielen Passagiere „praktisch kein Geld in der Stadt ausgeben“, klagen die Besitzer der Bars und Restaurants. Einzig der Stadtverwaltung und der Hafenbehörde bringen die Schiffe stattliche Einnahmen, die auf rund 500 Millionen Euro pro Jahr geschätzt werden.

Vor zwei Jahren hatte das italienische Umweltministerium allen Kreuzfahrtschiffen mit mehr als 96.000 BRZ verboten, über den Giudecca-Kanal in den Hafen zu fahren. Doch schon bald darauf wurde dieses Verbot von einem regionalen Gericht wieder aufgehoben, weil es „unverhältnismäßig gegen öffentliche und private Interessen“ verstoße – und so schicken die Reedereien auch weiterhin ihre Kreuzfahrt-Giganten in die Lagugenstadt.

 

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