Der Alpe Adria Raum im Faschingsfieber! Wer Lust hat, an den letzten närrischen Tage in Venedig den Flug eines Engels, in Muggia den großen Karnevalsumzug oder in Villach den Faschingsdienstag oder in Rijeka mit 150.000 Menschen zu feiern, findet im Umkreis von 200 Kilometern genügend Möglichkeiten.

Carnevale Muggesano 2013

Pompös, mystisch, historisch. Auch heuer wieder trägt Venedig ein buntes Faschingskleid. Eröffnet wird die fünfte Jahreszeit in der Serenissima mit einer glanzvollen Show. Statt rollender Wägen gleiten Booten mit fantasievollen Figuren über das Wasser im Cannaregio-Viertel. Feuerschlucker, Tänzer und Schönheiten im roten Rokokokleid. Große, beleuchtete Kugeln mit einer Tänzerin drinnen rollen über die Wellen, Elefanten, Giraffen und überlebensgroße Seepferde präsentieren sich auf den Booten. Über dem Kanal schweben ein Seegelboot und eine Weltkugel. Zirkusmenschen, Musiker und Clowns sorgen für ein Spektakel. Alles kunstvoll beleuchtet und wie ein Schattenspiel auf die venezianischen Häuserfassaden projiziert.

Einer der traditionelle Höhepunkte ist der „Volo dell᾽Angelo“, vom 99 Meter hohen  Campanile gleitet dann eine junge Dame, ein „Engel“ eben, im Kostümchen und Sneakern auf den Markusplatz. „Es ist wie ein schönes Märchen“, schwärmte Giulia Selero, einer der Engel, einmal nach ihrer Landung.

Gesichert wird sie dabei von einer Seilwinde. Mitte des 16. Jahrhunderts war das Spektakel einiges wagemutiger, da balancierte ein türkischer Akrobat mit einer Stange auf einem Seil vom Campanile zur Loggia des Dogenpalastes, nach einem tödlichen Unfall wurde das Spektakel aber abgeblasen. Erst 1981 erinnerte man sich wieder an den fliegenden Artisten und ließ einen Mann mit Trompete und Engelsflügeln herunterschweben, später ersetzte man ihn eine durch Taube aus Ton mit Konfetti, die sich über die Zuschauer ergoss.

Letztendlich geschah, was in Italien gern geschieht, wenn man Quote braucht: Schöne, junge Frauen müssen her. Kitsch und Kommerz gehören eben zu Venedig wie der Markusplatz. Letztes Jahr musste der Engel nach seinem Flug einen Energydrink trinken. Der Hauptsponsor wollte es so. Der ganze Aufwand zahlt sich auf jeden Fall aus, täglich rund 100.000 Menschen fluten die Stadt während der Karnevalszeit.

 

Gruselige Gesellen

Eine besonders lange Geschichte hat der Karneval von Muggia, seine Wurzeln reichen bis in das 15. Jahrhundert zurück. Die ganze Stadt ist beim Faschingsumzug am Sonntag, 23. Februar auf den Beinen, wenn Masken in der klassischen, venezianischen Tradition Hof halten. 30 aufwendig geschmückte Wägen und rund 2000 Kostümierte und neun Bands werden dann durch die Straßen von Muggia ziehen.

Eines der ältesten Karnevalsfeste der Alpen findet man in Sauris. Am Faschingsamstag (22.2.) wird am späten Nachmittag die „Notte delle Lanterne“ (Nacht der Laternen) gefeiert. Die Maskengestalten Rölars und Kheirars rufen zu einem Umzug auf, der mit Laternen durch den Wald zieht. Zum Aufwärmen wird Glühwein am Lagerfeuer ausgeschenkt.

Ganz anders der Karneval im slowenischen Ptuj. Beim Kurentovanje sausen zottelige Gesellen zum Fürchten durch die Stadt. Ist auch nötig, dass der „Kurent“ nicht gar so freundlich rüberkommt, denn nach altem Glauben ist er ein Dämon, der den Winter vertreibt. Und das sehr eindrucksvoll: Er schwingt einen mit stacheliger Igelhaut umwickelten Stock, trägt einen Fellumhang und Hörner. Pferdehirsche, Feen, Bären oder Teufel begleiten den Kurent.

Schräge Figuren laufen auch in Cerkno, 60 km westlich von Ljubljana, durch die Straßen. Wilde Fratzen sind ihre Masken, manche tragen einen Umhang aus frischem Moos, das jedes Jahr frisch aufgenäht wird. Auch das Kleid für den Efeumann braucht Tausende frische Efeublätter.

 

In abenteuerlichen Gefährten

Fußballländerspieldimensionen herrschen in Rijeka. 100 Gruppen und rund 150.000 Zuschauer werden beim großen Umzug am 23. Februar unterwegs sein. Auf fünf Kilometer Länge wird sich der Zug ausdehnen. Wer will, kann das Spektakel live im Internet bewundern.

 

Einer der Höhepunkte in Opatija ist die Balinjerada, ein abenteuerliches Seifenkistenrennen. In selbst konstruierten Gefährten, in die man nicht einmal seinen ärgsten Feind setzen würde,  wagen sich die Teilnehmer auf die abschüssige Marschall-Tito-Straße. Früher sausten sie manchmal übers Ziel hinaus und landeten jenseits des Kais im salzigen Nass. Mittlerweile haben sie das finale Bremsmanöver besser im Griff.

Eine jahrhundertealte Tradition abseits der touristischen Massen hat sich im Hinterland der Kvarner Bucht erhalten. Dort ziehen die Halubajski Zvončari (auf Deutsch Glockenträger aus Halubje) übers Land. Die Männer tragen ein blau-weiß gestreiftes T-Shirt, ein rotes Halstuch und eine weiße Hose, am Rücken haben sie mit einfachen Seilen ein ordentliches Trumm Kuhglocke festgezurrt, fünf bis sechs Kilo schwer. Am Kopf thront eine handgemachte Maske, in Form von Stier, Kuh, Ziege, Widder oder Bär. In der Hand halten die Glockenträger Keulen mit Fell darauf.

So zieht diese Stier-, Kuh-und-so-weiter-Herde zur Karnevalszeit auf ganz alten Wegen durch Olivenhaine, Wiesen und schmalen Wegen von Dorf zu Dorf, wo sie mit ihren Glocken ein infernalisches Spektakel veranstaltet. Ein wunderbares Schauspiel, das 2009 sogar in das immaterielle Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen wurde.

Angeblich geht der Brauch auf die Zeit zurück, als Türken und Tataren auf ihren Eroberungszügen auch in die Bergregionen im Kvarner einfielen. Waffen hatten die Hirten nicht, also griffen die Zvončari auf ihren Aufzug mit den furchteinflößenden Masken zurück und erschreckten die Eindringlinge. Die Legende sagt, dass es gewirkt hat.

Übrigens, wer will, kann den Zug gerne begleiten. Ein bisschen Kondition sollte man halt mitbringen. Denn pro Tag sind in der Halubje-Region zwischen 20 und 30 Kilometer lange Märsche zu absolvieren. 56 Dörfer stehen bei den Glockenträgern auf der Liste, macht bis zu 20 Dörfer an einem Tag.

 

Faschings-Fakten

Kärnten

Villach: Sitzungstermine auf www.villacher-fasching.at, 22.2.: Umzug im Zentrum

Klagenfurt: Stadtgerücht zu Clagenfurth: Faschingssitzungen, www.stadtrichter.at/stadtgeruecht/stadtgeruecht_aktuell/

St. Jakob i.R.: Faschingssitzungen, Kartenhotline: 0699/10687274, faschingsgildestjakob@gmx.at, www.faschingsgilde-stjakob.com

Waidmannsdorf/Klagenfurt: Umzug 25. Februar, Start: 14.15 Uhr, www.wai-wai.at

 

Venedig

Höhepunkte (8.–26.2.2018): 8.2.: Abendshow am Wasser, Cannaregio (19–22  Uhr), 9.2.: Teil 2 der Eröffnungsshow, Cannaregio (10.30–13 Uhr) , Große Eröffnung in Mestre (ab 17 Uhr), 16.2.: „Engelflug“ – die Siegerin des Marien-Fests 2019 wird vom Campanile auf den Markusplatz abgeseilt (12 Uhr), 25.2.: Wahl der Karnevalskönigin Maria (16 Uhr, Markusplatz), alle Events: www.carnevale.venezia.it/eventi

 

Friaul

Triest und Umgebung: Faschingsumzug in Triest: 25.2., 14 Uhr (Start Piazza Unità), Muggia: Faschingsumzug, 23.2. www.carnevaldemuja.com, 22.2.: Faschingsumzug in Opicina (14 Uhr), www.kraskipust.org/index.php?lng=it#

Kanaltal: Umzug in Sauris am 22.2., Resial-Tal: Faschingstanz am 15.2.

 

Slowenien

Ptuj: 15.–25.2.: Hauptumzug der Masken am 23. um 13 Uhr, auch am 25. (Faschingdienstag) ist eine Menge los. www.kurentovanje.net

Cerkno: 3.3. (12.32 Uhr): Umzug mit urigen, traditionellen Masken und Kleidern (60 km westl. von Ljubljana), www.laufarija-cerkno.si

Laibach: 22.2., Drachenkarneval (11 Uhr), www.visitljubljana.com

 

Kroatien

Opatija: 16.2.: Balinjerada Seifenkistenrennen, 23.2.: großer Umzug, visitopatija.com/de/karneval

Rijeka: 23.2.: Zusammen mit der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres findet der Faschingsumzug ab Mittag statt, www.rijecki-karneval.hr/en/

In Kastav, in Mošćenička Draga und in Rijeka wird am Aschermittwoch (26.2.) einem alten Brauch nach die Strohpuppe Pust, die für alle Sünden büßen muss, symbolisch angeklagt, verurteilt und verbrannt.

Marsch der Glockenträger (Halubajski Zvonč) im Hinterland (23.–26. Februar), tz-viskovo.hr.

 

Steiermark

Graz: 28.2.: großer Umzug, 12.45 Uhr, Herrengasse über Hauptplatz, www.graztourismus.at

Bad Aussee: 24., 25.2.: Trommelweiber-Umzug, 25.2. (14 bis 18 Uhr): Umzug der Flinserln (in Kleidern aus Tuchflecken), www.ausseerland.at